oh my gosh. you shouldn't read that crab here. but if you do... eat this!: yeah, everything here is about my sixteen-year-old-self on her one-year-stay in hungary. That's it! Check it out!

Kriegsspiele


Was gibts neues von der Front?
Ostern ist mehr oder weniger vorbei...
Seit letzte Woche Montag hatte ich Ferien und war die ersten Tage bei Kristófs Schule - dem Zrinyí - weil dort Schulsprecherwahlen waren. Hier geht es darum, eine der elften Klassen zu wählen aus denen je ein Schüler kandidiert, und um sich möglichst viele Stimmen zu sichern, wurden an drei Tagen möglichst viel für die Schüler getan. Es gab kostenloses Essen (von Kuchen und Keksen bis zu Hamburgern und Bananenshakes), Tanzvorführungen, Jongleure, im Foyer trat eine Band nach der anderen auf... Ich war an zwei Tagen da und - nuja - das ist wirklich ne feine Sache. Ab morgen findet das dasselbe dann auch an meiner Schule statt, ich weiß allerdings nicht, ob das auch so pralle wird... Man wird ja sehen.

Ostern an sich war bei meiner Gastfamilie nicht wirklich was besonderes - Eiersuchen zum Beispiel war nicht. Gestern - Ostermontag - sind wir allerdings zu meiner Gasttante ins Dorf nebenan (Hernádkak) und da war dann wirklich was los. Sämtliche Verwandten meiner Gastfamilie mütterlicherseits waren da, meine Gastoma hatte schon drei Tage vorher angefangen, Kuchen dafür zu backen - und sie war nicht die einzige; essen gab es also satt.
Und dann gibt es da noch diesen Brauch in Ungarn, dass die Jungs am Ostermontag die Mädchen mit Parfüm oder Wasser bespritzen...
Das nur mal so in aller Kürze.
(Ach ja, Klassenparty war auch noch... aber das würde an dieser Stelle zu weit führen.)
Man hätte das alles auch detailvoller und dreifach so lange erzählen können; aber ich bin müde, elnézést kérhetem? Kösz.

Und was hat mich so verdammt ermüdet; warum hab ich auf meinem Oberarm und oberhalb meines Knies einen kreisrunden blauen Fleck?

Nennen wir es "Paintball".

Andere Leute haben dabei Spaß, für mich ist das schon Krieg im Kopf. Zunächst sind wir mit der 2-er Straßenbahn bis zur Endstation, nach etwa zehn Minuten Fußmarsches kommen wir in ein Gewerbegebiet, teilweise etwas heruntergekommen; man sieht eingeschlagene Fenster von Fabriken aus Ziegelstein. Rechts baut sich ein zehn Meter hohes Gebäude vor einem auf - ebenfalls eine ehemalige Fabrik - durch eine unscheinbare Metalltür an ihrer Seite gelangt man ins Innere.
Das erste, was auffällt, sind die Farbspritzer an den Wänden. Das zweite, in was für einem heruntergekommenen Gebäude wir uns befinden. Übertreiber sagen dazu "lebensgefährlich".
Wir werden mit Kleidung ausgestattet. Arbeiteroveralle für die einen, Soldatensachen für die anderen. (Ich war Soldat; im Overall mit Audi-Ringen Leute zu beschießen, erschien mir irgendwie zu übertrieben.) Dann - Maske aufsetzen. Handschuhe anziehen. Gewehr in die Hand. (Wobei das Wort "Gewehr" vielleicht unpassend ist. Es handelt sich lediglich um eine Maschine, die kleine Farbkugeln mithilfe von Luftdruck verschießen kann.) Arme und Beine zählen nicht; Rücken, Bach oder Kopf und du bist "tot". Ziel: Alle Personen der anderen Gruppe "töten". (Wir waren zu Zwölft - 6 gegen 6)
Und dann stand ich da, mit meiner Waffe an die Wand gepresst, mein Herz pumpte mir mit zunehmender Geschwindigkeit Adrenalin durs Blut, und ich kam mir vor wie im Realität gewordenen Ballerspiel von Dävid. Zwei Mnuten später war es dann auch schon vorbei - ich verließ da "Spielfeld" mit einem gelben Farbklecks auf meiner Maske über meinem linken Auge. "Gestorben", sagen die Regeln.
Auf einmal war ich verdammt froh, dass es für Frauen keine Wherpflicht gibt. Und das Schicksal der Soldaten in Kriesengebieten erschien mir umso greifbarer. Im Vergleich war das, was ich da tat, natürlich nur ein Witz. Gefühlte Nähe war trotzdem.
Vier Stunden später. Das "Spiel" nähert sich dem Ende zu, ich merke, dass ich ein wenig skrupelloser geworden bin, und mutiger, indem ich mich auch eigenständig durchs Gebäude bewege und mich nicht zehn Minuten zitternd in einem Zimmer verbarrikadiere und ab und zu die Tür öffne und auf "Feinde" schieße, die ahnungslos an mir vorbeilaufen.

So war das.

Interessant wars auf jeden Fall. Auch wenn ich ganz eindeutig sagen muss, dass das nicht unbedingt mein Lieblings"spiel" ist.
Anders wärs vielleicht noch, sich zwischen bunten Aufblashindernissen zu verstecken, aber diese alte Fabrik war mir ein wenig zu nah an der Wirklichkeit.

Whatever. Einmal im Leben muss man sowas mal gemacht haben. (An dieser Stelle möchte ich nochmal hervorheben, dass diese Beschreibung größtenteils subjektiv geschrieben wurde, ihr würdet es vielleicht anders empfinden. No fear, I'm alive.)



Gute Nacht und träumt mir nicht von Kriegsspielzeug.

die kleine Ungarin.
10.4.07 20:46
 


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